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#001 daily read – The Guide to interveening in your Neighborhood

In der letzten Woche waren von dem Buch „Tactical Urbanism – Short-term Action for Long-term Change“, geschrieben von Mike Lyon und Anthony Garcia, veröffentlicht 2015, sehr inspiriert.

Insbesondere das letzte Kapitel „A Tactical Urbanism How-To“ fasste sehr gut die unterschiedlichen Probleme eines Tactial-Urbanism Projektes, mit denen wir momentan zu kämpfen haben, zusammen. Es bietet aber auch einfache aber wirkungsvolle Hinweise darauf, wie die Probleme einfach und direkt gelöst werden können.

Doch zuerst klären wir kurz den Begriff des „Tactical Urbanism“. Der taktische Urbanismus wird in dem Buch als ein Modus der Operation im Stadtraum beschrieben, der sehr direkt und unmittelbar ist. Gleichzeitig sind die Projekte des taktischen Urbanismus in ihrer Planung flexibel. Bürger*innen, die konkrete Verbesserungen in ihrer Straße, ihrem Stadtteil, oder ihrer Stadt durchsetzten wollen, können durch temporäre Interventionen und Tests ihre Ideen erproben und evaluieren sowie mit anderen Stakeholder diskutieren. Die Veränderungen, die vom taktischen Urbanismus ausgehen, leben dabei von einer ständigen sich selbst korrigierenden Schleife aus konkreten Erprobungen im Stadtraum und der Evaluierung der Tests. Die Aktionen besitzen dabei den Charakter von Guerilla Aktionen und sind in der regal einfach, kostengünstig und inklusiv. Daher bieten sie eine niederschwellige Möglichkeit der unmittelbaren Erprobung von Veränderungsvorschlägen.

Mike Lyon und Anthony Garcia stellen heraus, dass Projekte des taktischen Urbanismus aus fünf Phasen bestehen, die unterschiedliche Themen und Prozesse abbilden. Diese Phasen können sich allerdings in ihrer Abfolge vermischen oder überlappen, weshalb sie nicht stoisch verfolgt sondern flexibel adaptiert werden müssen.

1. Verstehe für wen du planst und entwirfst. Wer ist die Gruppe von Personen, die durch deine Planungen oder Interventionen beeinflusst werden und was sind ihre Wünsche, Bedürfnisse und Sorgen?

2. Definiere das Problem, welches du angehen möchtest und identifiziere einen Ort, an dem du dieses Problem exemplarisch adressieren kannst. Beides sollte so klar und reduziert wie möglich geschehen. Das Projekt wird komplex genug, daher hilft es klein anzufangen. »[The problem definition] should focus on creating a project response in the short term that is intended to make an impact on policy, process, or physical design in the long term.« (S.179)

Für den Einfluss deines Projektes ist es sinnvoll einen Ort zu wählen, der stellvertretend für viele Orte in deiner Stadt ist. Das macht es einfach, die spezifische Lösung auch auf andere Orte zu transferieren.

3. Recherchiere zu deinem definierten Problem und entwickle mögliche Lösungsansätze. Dabei darfst du dich gerne von den unzähligen Vorgängerprojekten inspirieren lassen. Doch die direkte Kopie von Lösung ist meist auf Grund der Einzigartigkeit und spezifischen Situation deines Kontextes nicht möglich. Lasse dich vielmehr von diesen inspirieren deine eigene Lösung zu entwickeln und lerne aus Erfolgen und Fehlern der Vorgängerprojekte.

4. Entwickle einen Prototypen als Antwort auf das definierte Problem. Im sinne des taktischen Urbanismus sollte er schnell und günstig implementierter sein. Dabei ist der provisorische Charakter des Projekts gerade seine Stärke. Doch die Prototypenentwicklung inkludiert nicht nur das Design deiner Intervention oder Aktion. Die Organisation bedingt die Beschaffung von Material, finanziellen Mittel, aber auch Unterstützung für auf und Abbau und nicht zuletzt Multiplikatoren, die Aufmerksamkeit für dein Projekt generieren. Je größer das Projekt wird, umso aufwändiger wird die eigenltiche Koordination. Vor allem bei ersten Projekten hilft es, sich insbesondere auf Spenden (sowohl Geld- als auch Sach-Spenden) zu stützen. Dabei macht Not erfinderisch. Häufig ist das provisorisch wirkungsvolle Projekt am erfolgreichsten, weil es zeigt, dass mit sehr wenig Mitteln eine große Veränderung möglich ist. Sie verweist darauf, wie viel Veränderung dann erst möglich ist, wenn die Stadt mit großen finanziellen Mitteln das Projekt in planerische Realität verwandeln würde.

Auch die offizielle Genehmigung eines Projektes kann eine Hürde sein, insbesondere dann, wenn sie verschiedene öffentliche Ämter betrifft. Mike Lyon und Anthony Garcia empfehlen bei der Anmeldung so vage wie möglich zu sein, um sich bestimmte Optionen offen zu halten und Probleme in der Umsetzung zu konkreter Elemente zu ersparen.

5. So wichtig wie die Planung ist die Durchführung und das Testen des Projektes. Hast du deinen Prototypen im Stadtraum eingebracht, versuche möglichst umfassend zu evaluieren, wie er den Umgang der Menschen mit dem Stadtraum verändert. Diese Phase ist essentiell, da die Projekte des taktischen Urbanismus ihre transformative Kraft aus der Schleife von Umsetzen – Teste, Umsetzen – Testen heraus entwickeln.

Und auch wenn man den Empfehlungen im Buch „Tactical Urbanism“ folgt, ist das Scheitern immer eine Option. Auf dem Weg zu der Umsetzung kann es viele Hürden geben, die im ersten Moment unüberwindbar scheinen. Gleichzeitig sollte man selbst nach erfolgreicher Umsetzung mit dem Unerwarteten rechnen. Doch die Idee des taktischen Urbanismus sieht auch das scheitern als einen wichtigen Erkentnisschritt an, der durch die anschließende Evaluierung des Projektes wichtige Aufschlüsse für die weitere Transformation des Stadtraums bietet.

Abschließend lässt sich sagen, etwas zu tun, ist besser als gar nichts zu tun und:

»Call it an intervention, a prototype, a pilot, whatever. Just make sure you move the idea to action quickly.« – S. 185

Zitate stammen aus dem Buch »Tactical Urbanism – Short-term Action for Long-term Change« von Mike Lydon und Anthony Garcia. Erschienen 2015 im Island Press Verlag.